Sascha Schneider und die Gesammelten Werke – Eine Bildergalerie. In der richtigen Reihenfolge

 

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Sascha Schneider, Bilder zu Karl Mays gesammelten Werken

Lange hatte ich keinen rechten Zugang zu den Bildern von Sascha Schneider. Sie haben mir schlicht nicht gefallen. Zum einen war für mich da zuviel nackte Haut. Inzwischen ist mir klar, dass aus der Sicht Karl Mays diese Nacktheit das Symbol für die Menschlichkeit ist. Mensch sein, nur Mensch, ohne Vor- und Überbaue. Inzwischen finde es niedlich von Sascha Schneider, dass er – im Gegensatz zu anderen Bildern – hier darauf verzichtet hat, die Geschlechtsteile zu malen… was aber auch wieder zu seltsamen Bildern führt. Zum anderen gefielen mir die Bilder nicht, wegen dem Gemisch aus dämonischem und himmlischen. Das erinnert – wie jemand zu recht sagte – an Tarot-Karten.

Also: Ich hatte eine begründete Abneigung gegen die Bilder. Dazu kam mein Verdacht, dass Karl May seinem Werk verzweifelt eine tiefere Deutung geben wollte – nicht nur mit diesen Bildern, aber eben auch – und ich zeifelte daran, dass das wirklich gerechtfertigt wäre. Ich hielt es für die Idee eines senilen Mannes.

Es änderte sich langsam, als ich begann mich mit Sascha Schneider zu befassen. Ich las im Buch von Otto Hatzing und dann „Winnetou, Abel und ich“ von Josef Winkler.

Josef Winklers Arrangement

Josef Winkler arrangiert Bilder von Schneider zu vier Gruppen zwischen seinen Zusammenfassungen von Winnetou 1-3 und Weihnacht. Und zwar so, dass in der ersten Bildergruppe der Kampf, das Dilemma mit dem Bösen und der Triumph des Bösen dargestellt ist:

Diese Bildergruppe steht nach seinem biographischen Beitrag (!) und vor Winnetou I.

Die zweite Bildergruppe, nach Winnetou I und vor Winnetou II, zeigt die Begegnung mit dem Licht. Es wird ruhiger und es gibt jetzt immer einen Gegepol zum Dilemma.

Die Dritte Gruppe, Vor Winnetou III zweigt eine Entwicklung und die ansatzweise bez. vollständige Eindämmung des Bösen:

Die Vierte Gruppe, vor „Weihnacht!“ den Sieg über das Böse und die Erlösung. Wobei mit den drei Mahdi Bildern die ganze Dynamik wieder aufgegriffen ist. Das passt gut zum Abschluss von Winnetou III, resp. „Weihnacht!“

Die Bilder im Programm der Gesammelten Werke

Als ich bei Winkler begriffen hatte, dass er die Bilder symbolisch arrangiert, entdeckte ich, dass die Bilder Schneiders die er für die Gesammelten Werke gezeichnet hat nicht nur aus der intensiven Lektüre des Inhaltes entstanden sind, sondern, dass sie auch ein Programm haben und jeweils eine Entwicklung darstellen. (Hier sind die Bilder: https://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/illus/schneidr/) Erst recht bei den mehrbändigen Werken, z.B. der Orientzyklus oder hier „Im Reiche des silbernen Löwen“:

Bestätigt hat sich das mit der Entdeckung, dass Sascha Schneider ein Programm von drei Bildern vorschwebte zum Bild „Christus und Mohammed“, das er für den Band Orangen und Datteln gezeichnet hat. Im Brief vom 23. März 1904 schreibt er an Karl May: „Wenn Orangen und Datteln drei Bände haben, so weiss ich, was für die beiden anderen zu zeichnen ist. Hier stehen sich Christus und Mohammed gegenüber. 2. Band: Christus und Mohammed im Kampf (kein Ringkampf!) 3. Band: Christ in Gloriole erhebt den besiegten Mohammed.“ (Zitiert in: Hatzing, 55ff)

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Das Bild „In hoc signum vinces!?“

Das Bild wurde 1910 zum Titelbild vom Band „Winnetous Erben“. Die_sterbende_Menschheit_1903Es war aber schon vorher, 1903 ein Geschenk von Sascha Schneider an Karl May und zwar – so denke ich – als Bild zum entstehenden und teilweise veröffentlichten Roman „Und Frieden auf Erden“. Es zeigt den erstarrten Missionar Walker. Die zum Kreuz aufstrebenden, erlösten Seelen sind vermutlich eine Eigenleistung Scheiders, die Karl May dann zu der Darstellung der Erlösten Ahnen von Lord Ryffley im Schluss des Romanes und zum illuminierten Kreuz auf dem Berg inspiriert hat.

Das Bild heisst NICHT „Die sterbende Menschheit“. Das ist eine recht missglückte Beschreibung. Ich gehe hier mit der Ansicht einig, dass dieser Titel gar nicht zu Karl May passt. Besser passen würde: „Die erlöste Menschheit“.

Karl May selber notiert als er das Bild sieht sofort den Satz: „In hoc signem vinces?!“ Damit drückt er genau den Kampf Wallers aus, an dem Karl May Ende 1903 gerade am schreiben ist. Es geht dabei um das recht verstandene Evanglium und das recht verstandene Kreuz. Waller ringt in seinem kommantösen Zustand um den Glauben und die Liebe die Gott in Christus schenkt.

-> http://karl-may-wiki.de/index.php/Die_sterbende_Menschheit

Fasziniert

Nun bin ich ganz fasziniert: Von der Bildkraft und von der gegenseitigen Befruchtung und Inspiration von Schneider und May. Ich habe auch den Eindrück, dass mit den Bildern das Werk von Karl May tatsächlich ausgedrückt und hervorgehoben wird. Ich empfinde sie nicht mehr als aufgesetzte Gefühlsduselei, sondern Vertiefung und Ergänzung der Botschaft, die Karl May mit seinen Büchern ausdrückt.

 

 

Links

http://karl-may-wiki.de/index.php/Liste_der_Werke_Sascha_Schneiders

https://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/illus/schneidr/

http://naunua.blogspot.com/2017/11/sascha-schneider.html

 

Katalog der Ausstellung von 2013:

https://gottweiss.de/sascha-schneider/

https://www.goldwiege.de/blog/schillerndes-schneiderlein/

https://www.portalkunstgeschichte.de/shop/artikel/sascha_schneider__ideenmaler__amp__koerperbildner___visualizing_ideas_through_the_human_body-3986.html

Josef Winkler, Winnetou, Abel und ich

Josef Winkler hat ein Buch zu Karl May geschrieben. Der erste Teil ist autobiographisch über seine Kindheit und seine Karl May Lektüre. Im zweiten Teil hat er vier Karl May Bücher auf je wenigen Seiten zusammengefasst: Winnetou I-III und „Weihnacht!“.

Zwischen diesen Buchzusammenfassungen sind Zeichnungen von Sascha Schneider arrangiert, die dieser für die Gesammelten Werke Karl Mays gezeichnet hat. Hier habe ich diese beschrieben.

Rezensionen:

https://www.wienerzeitung.at/themen_channel/literatur/buecher_aktuell/661545_Winkler-Josef-Winnetou-Abel-und-ich.html

http://www.fr.de/kultur/literatur/josef-winkler-winnetou-abel-und-ich-karl-may-sehr-gut-sehr-gut-a-511072

https://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/die-schreibmaschine-in-der-bauernkueche-1.18445077

https://www.deutschlandfunk.de/winnetou-abel-und-ich-josef-winklers-rueckkehr-in-kaerntner.700.de.html?dram:article_id=303475

Lesung von Josef Winkler:

Erster Blick auf das Meer

Sei still in Gott, still wie das Meer!
Nur seine Fläche streift der Wind,
und tobt als Sturm er noch so sehr,
wiß, daß die Tiefen ruhig sind.

Sei weit in Gott, weit wie das Meer!
Es wogt nicht bloß am heim’schen Strand,
und wird dir’s auch zu glauben schwer,
wiß, drüben gibt’s doch wieder Land.

Sei tief in Gott, tief wie das Meer!
Nur an der Küste ist es seicht
Siehst du den Grund da rings umher
wiß, daß er immer weiter weicht.

Ja, sei, mein Herz, stets wie das Meer
in Gott so still, so tief, so weit!
Dann schlägt dein Puls in dem Verkehr
Von hier und nach der Ewigkeit.

Kommentar

Von dem Gedicht gibt es von Karl May selber verschiedene Versvarianten -> JB KMG 2009, 106 (Manuskriptfoto) und 120. In der Version oben (nach dem Manuskript von 1900) finde ich die letzten zwei Zeilen nicht so stimmig. Die maysche Alternative ist vermutlich eher für die 2. Strophe gedacht „Dann ist, stürmt es auch ringsum her / Dein … von Gefahren frei.“

Die endgültige Fassung hat KM dann in sein Gedichtband „Himmelsgedanken“ aufenommen unter dem Titel „Sei wie das Meer“.

Die 2. Strophe könnte auch heissen:
„Sei tief in Gott, tief wie das Meer
Dass keine Klippe in dir sei
So ist dein gläubiger Verkehr
Mit deinem Gott gefahren frei.“
Aber: Warum keine Klippen und was könnte den Verkehr mit Gott (dem Jenseits?) gefährlich machen? Oberflächlichkeit?

Kontext

Ein passendes modernes Lied hat die Strophe:

Tränen wischst du fort
Tröstest durch dein Wort
Kraft zum Leben gibst du mir.
Und wie ein weiters Meer ist dein Wort, grosser Herr:
unergründlich tief und reich.

„Dein Wort ist ein Licht auf meinem Weg“, in: Rückenwind, Nr 54.

 

Geographie bei Karl May

Faszinierend sind die Ortsbeschreibungen und Ortskenntnisse von Karl Mays Figuren. Winnetou und Old Shatterhand waren schon überall im Yellowstone und kennen jedes Tal und jeden Weg. Karl May selber kennt alle Häfen und Hotels in Sumatra und Malaysia. Dank Karl May lernte ich faszinierende kurdische Städte kennen, wie Amediye. amediyeKarl May hat diese Stadt mit ihren Klippen, etc. so toll beschrieben, dass ich sie auf Google Maps suchte, fand und mich seither für ihr Geschick und ihre Geschichte interessiere.

Hier ist ein Artikel, der das Thema noch weiter vertieft -> Wo Kara Ben Nemsis Führer ermordet wurde, Holger Kreitling

Es gibt ja auch noch den Karl May Atlas, bei dem ich aber die Hinweise vermisse, in welchen Romanen Karl Mays die Karten Verwendung finden.

Karl Mays Kunst der Erzählung

Von Dr. Max Fischer
Karl May Jahrbuch 1921

„Es ist stets ein beliebtes Argument der May-Gegner gewesen, darauf hinzuweisen, daß dieser Reiseschriftsteller die Länder, in denen er seine Abenteuer spielen läßt, nie mit eigenen Augen gesehen, sondern nur aus unzureichender Lektüre gekannt hatte. Ich vermute, daß diese Behauptung richtig ist. Es ist der Gegenpartei m. E. nicht gelungen, glaubhaft nachzuweisen, daß Karl May vor 1899 Auslandreisen unternommen habe, die als reale Grundlage seiner Reiseschilderungen irgendwie in Betracht kommen.

Seine Abenteuer in fremden Ländern wurden in der Zuchthauszelle konzipiert, am Schreibtisch ausgestaltet. Das äußere Leben dieses Mannes, der in seiner Dichtung die Meere und Kontinente durchquerte, spielte sich m. E. Jahrzehnte lang auf einem Raum von wenigen Quadratkilometern ab. QS1CUGQ2

Seltsame Verkennung dichterischer Leistung ist es, zu folgern, daß dieser Umstand den Wert der Mayschen Reiseerzählungen mindere. Um so bewunderungswerter nur erscheint uns sein Werk, dessen lebensvolle Farben und Gestalten ganz aus der Sehnsucht seiner Phantasie und seiner Seele geschaffen sind. Weiterlesen „Karl Mays Kunst der Erzählung“